Weltklasse aus Ostheim
Ostheim/Częstochowa (Polen). Es war ein Herzschlagfinale, wie es selbst die erfahrensten Experten des Segelflugsports selten erlebt haben. Erst mit den allerletzten Auswertungen am späten Abend stand fest: Der alte und neue Weltmeister in der Königsklasse des Segelfliegens heißt Felipe Levin. Sein Sportgerät: Eine EB 29R aus der Ostheimer Edelschmiede Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau.
Bei der 40. FAI Segelflug-Weltmeisterschaft im polnischen Częstochowa, die nach zehn extrem anspruchsvollen Wertungstagen zu Ende ging, lieferten sich die besten Piloten der Welt ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen. Zeitweise sah es so aus, als ob der polnische Lokalmatador Sebastian Kawa den Sieg in der Offenen Klasse für sich verbuchen könnte. Doch eine taktische Meisterleistung am finalen Wertungstag wendete das Blatt: Levin holte mit der Ostheimer High-Tech-Konstruktion den entscheidenden Vorsprung heraus und sicherte sich hauchdünn die Goldmedaille. Der mehrfache Weltmeister Michael Sommer, ebenfalls auf einer EB 29R unterwegs, komplettierte das sensationelle deutsche Ergebnis mit dem dritten Platz.
Ostheimer Innovationskraft in zweiter Generation: Für die Ostheimer Edelschmiede ist dieser erneute Triumph auf internationalem Parkett weit mehr als eine sportliche Nachricht. Er ist der eindrucksvolle Beweis für die Philosophie und die ungebrochene Innovationskraft des Familienbetriebs aus der Rhön. Das Unternehmen, das von Gründer Walter Binder mit visionärem Pioniergeist aufgebaut wurde, befindet sich auch in der nächsten Generation auf absolutem Erfolgskurs: Mittlerweile führt sein Neffe Oliver Binder die Geschäfte des Betriebs.
Dass der neue Geschäftsführer die Philosophie seines Onkels perfekt weiterlebt, zeigt sich nicht nur in der kompromisslosen Präzision der Fertigung, sondern auch in der Luft. Als exzellenter Pilot gehört Oliver Binder selbst der deutschen Nationalmannschaft an und fliegt regelmäßig in der absoluten Weltspitze mit. Dieses fliegerische Spitzenwissen aus erster Hand fließt in Ostheim direkt vom Cockpit zurück in die Weiterentwicklung der Flugzeuge.
Die Benchmark in der Luft: Die Besonderheit der EB 29R – das „R“ steht für Racing – zeigte sich in Polen unter schwierigsten und wechselhaften Wetterbedingungen. Mit einer auf 28 Meter optimierten Spannweite und einer enormen Flächenbelastung gleitet das Flugzeug bei hohen Geschwindigkeiten nahezu widerstandslos von Thermik zu Thermik, ohne dabei seine legendäre Agilität beim Aufspüren schwacher Aufwinde zu verlieren.
Wenn die absolute Weltelite im Cockpit sitzt, entscheidet am Ende das Material über Nuancen. Dass die EB 29R den Weltmeistertitel erneut verteidigen konnte und die Plätze auf dem Podium dominiert, trägt den Namen der Stadt Ostheim vor der Rhön einmal mehr als Synonym für technologische Spitzenleistung in die ganze Welt.